Radtouren am Kaiserstuhl beginnen für die meisten Gäste aus Freiburg mit einer kurzen Zugfahrt. Das kleine Gebirge liegt rund 16 Kilometer nordwestlich der Stadt in der Oberrheinebene, und der Kaiserstuhl Radweg führt als beschilderte Runde einmal komplett um den erloschenen Vulkan herum. Unterwegs wechseln sich Rebterrassen aus Löss, Winzerdörfer und kleine Städte wie Breisach und Endingen ab.
Der Reiz liegt in der Kombination. Die Strecke ist überwiegend flach, die Dörfer liegen dicht beieinander, und fast überall gibt es Winzerkeller, in denen sich eine Pause mit einem Glas Spätburgunder einlegen lässt. Wer vor der Weinprobe Kaiserstuhl und Tuniberg einmal komplett umrundet, hat am Ende rund 60 Kilometer in den Beinen und kann mit der S-Bahn zurück nach Freiburg fahren.
Der Kaiserstuhl Radweg: Strecke, Länge und Beschilderung
Die offizielle Runde ist durchgehend beschildert und schließt einen Teil des benachbarten Tunibergs mit ein. Tourismus Ihringen beschreibt die Markierung als rotes „Ka“-Schild, an dem sich die gesamte Tour ohne Karte abfahren lässt. Einen festen Startpunkt gibt es nicht. Laut Schwarzwald Tourismus kann die Tour an jeder beliebigen Stelle entlang der Strecke beginnen, und genau das macht den Kaiserstuhl Radweg so praktisch: Jeder Bahnhof an der Route taugt als Ein- und Ausstieg.
Bei der Länge weichen die Angaben voneinander ab. Schwarzwald Tourismus nennt 61,19 Kilometer und eine Fahrzeit von etwa viereinhalb Stunden, Tourismus-BW kommt auf 61,3 Kilometer, Tourismus Ihringen auf 64 Kilometer. Je nach Quelle sind es also 61 bis 64 Kilometer. Noch deutlicher gehen die Höhenmeter auseinander: Die Spanne reicht von rund 80 bis 192 Metern Anstieg. Einig sind sich alle Quellen darin, dass die Strecke weitgehend flach verläuft und die einzige spürbare Steigung am Tuniberg zwischen Gottenheim und Merdingen liegt.
Wer diesen Abschnitt auslassen möchte, nimmt die kürzere Variante über Wasenweiler. Sie ist nach Angaben von Tourismus Ihringen etwa 54 Kilometer lang und umgeht den Anstieg. Wenn Sie eine gemütliche Tagestour mit Einkehr planen, reicht diese Version in den meisten Fällen.
Wo die Runde am besten beginnt
Beliebte Einstiegspunkte sind Breisach, Ihringen, Gottenheim, Riegel und Endingen, weil dort die S-Bahn hält. Wer in Breisach startet, hat das Münster gleich zu Beginn vor sich. Ein Start in Endingen bietet sich an, wenn man die Nordseite zuerst fahren und später im Süden über Ihringen zurück zum Zug möchte.
Weil die S1 im Süden und die S11 im Norden an der Strecke halten, lässt sich die Runde auch halbieren. Die Südhälfte verbindet Gottenheim, Ihringen und Breisach, die Nordhälfte führt über Riegel nach Endingen. So werden Radtouren am Kaiserstuhl auch für einen Nachmittag oder für Familien realistisch, ohne dass jemand die volle Distanz fahren muss.
Vulkan, Löss und Natur am Wegesrand
Der Kaiserstuhl ist vulkanischen Ursprungs und umfasst rund 100 Quadratkilometer. Seine aktive Phase liegt je nach Quelle etwa 15 bis 19 Millionen Jahre zurück. Das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau datiert die Tätigkeit auf 19 bis 16 Millionen Jahre, das Staatsweingut Freiburg nennt 18 bis 15 Millionen. Dieser Vulkan war damals Höhepunkt und Abschluss der vulkanischen Aktivität im Oberrheingraben. Höchster Punkt ist der Totenkopf mit 556,8 Metern, oft gerundet auf 557 Meter.
Über dem vulkanischen Gestein liegt eine dicke Lössschicht, die der Wind in der letzten Eiszeit herangeweht hat. Je nach Stelle ist sie 10 bis 40 Meter mächtig. Aus diesem weichen Material auf dem Vulkan haben Generationen von Winzern die Terrassen geformt, und zwischen den Weinbergen haben sich tief eingeschnittene Hohlgassen gebildet. Rund um Bickensohl verbindet ein etwa 7 Kilometer langer Lösshohlwege-Pfad einige der eindrucksvollsten davon.
Botanisch ist die Gegend außergewöhnlich. Am Kaiserstuhl wachsen mehr als 30 Orchideenarten, dazu lebt hier die Smaragdeidechse. Das Naturschutzgebiet Badberg zwischen Alt-Vogtsburg, Oberbergen und Schelingen umfasst 65 Hektar und zählt zu den wertvollsten Trocken- und Halbtrockenrasen Deutschlands. Wer mit dem Rad an den Rand des Schutzgebiets kommt, bleibt auf den ausgewiesenen Wegen.
Quer über den Vulkan statt außen herum
Die klassische Runde umfährt das Gebirge. Wer mehr Höhenmeter sucht, kann den Kaiserstuhl auch in der Mitte queren, etwa über den Texaspass, der im Alemannischen „Auf dem Eck“ heißt und seinen Spitznamen den Serpentinen verdankt, oder über den Vogelsangpass. Tourismus Ihringen nennt außerdem die „Kaiser-Tour“ mit 60 Kilometern und 1.500 Höhenmetern für geübte Fahrer. Ein offiziell beschilderter „Vulkan-Radweg“ existiert dagegen nicht; Touren unter diesem Namen sind redaktionelle Vorschläge einzelner Portale. Für sportlichere Ausflüge ins Gelände lohnt der Blick auf die Seite zum Mountainbiken im Schwarzwald.
Weitere Radtouren am Kaiserstuhl
Neben der großen Runde gibt es im Gebiet nach Angaben von Tourismus Ihringen rund 200 Kilometer beschilderte Radwege. Wer am Kaiserstuhl Radwege für einen halben Tag sucht, findet vier ausgeschilderte E-Bike- und Tourenrouten zwischen knapp 33 und knapp 49 Kilometern. Ihre Anstiege liegen zwischen 150 und 575 Höhenmetern. Die GPX-Daten stehen auf naturgarten-kaiserstuhl.de zum Download bereit.
Der Tuniberg-Höhenweg ist mit etwa 15 Kilometern und 190 Höhenmetern kürzer, aber anspruchsvoller als die Hauptroute. Er ist mit einem grünen Radsymbol markiert und hat einige steile, schmale Abfahrten. Für Radtouren am Kaiserstuhl mit Kindern oder ungeübten Mitfahrern ist die flache Runde über Wasenweiler meist die bessere Wahl. Wer lieber in der Stadt bleibt, findet Ideen auf der Seite zu Radtouren in Freiburg, vom Dreisam-Radweg bis zum Leihrad.
Kaiserstuhl wandern: Hohlwege und Aussichtspunkte zu Fuß
Nicht jede Tour am Kaiserstuhl braucht ein Rad. Wer am Kaiserstuhl wandern möchte, findet die eindrucksvollsten Wege dort, wo Radfahrer nur durchrollen: in den Lösshohlwegen. Rund um Bickensohl verbindet ein Rundweg von etwa 7 Kilometern einige der tiefsten Hohlwege des Gebirges.
Höhepunkt ist die Eichgasse. Sie ist bis zu 15 Meter tief, rund 300 Meter lang und seit 1978 als Naturdenkmal geschützt; 17 Tafeln erklären unterwegs, wie der Löss abgelagert und vom Regen ausgewaschen wurde. Weiter oben lohnt der Anstieg zum Totenkopf, mit 556,8 Metern der höchste Punkt, auf dem der Neunlindenturm steht. Zwischen Alt-Vogtsburg, Oberbergen und Schelingen liegt das Naturschutzgebiet Badberg mit 65 Hektar Trocken- und Halbtrockenrasen, einer der wertvollsten Lebensräume dieser Art in Deutschland. Für eine Wanderung reicht festes Schuhwerk, denn die Hohlwege sind nach Regen rutschig.
Weinprobe und Einkehr entlang der Route
Der Kaiserstuhl ist eines der großen Weinbaugebiete Badens und bildet dort einen eigenen Bereich. Die Rebfläche liegt bei mehr als 4.000 Hektar. Die wichtigste Rebsorte ist der Spätburgunder mit einem Anteil von über 35 Prozent, danach folgen der Grauburgunder mit knapp unter 25 Prozent als bedeutendste Weißweinsorte und der Müller-Thurgau. Die Region vermarktet sich deshalb als „Burgunderoase“. Klimatisch zählt der Kaiserstuhl zu den wärmsten Regionen Deutschlands, was man an heißen Sommertagen auf den schattenarmen Rebwegen deutlich spürt.
Für eine Weinprobe braucht es keine Planung über Wochen. Winzergenossenschaften mit Verkostung gibt es unter anderem in Achkarren, Bickensohl, Bischoffingen, Bötzingen, Burkheim, Ihringen, Jechtingen, Königschaffhausen, Oberbergen, Oberrotweil und Sasbach. Der Oberrotweiler Winzerverein bietet Kellerführungen mit Verkostung an. Wer nach der Weinprobe Kaiserstuhl-Pässe wie den Texaspass lieber auslässt, bleibt auf der flachen Außenrunde oder steigt am nächsten Bahnhof in den Zug.
Wein und Rad vertragen sich nur in Maßen. Weil die Runde an mehreren S-Bahn-Halten vorbeiführt, lässt sich die Tour nach einer ausgiebigen Verkostung jederzeit abkürzen und mit dem Zug beenden.
Am Start- oder Zielpunkt Breisach liegt der Badische Winzerkeller, gegründet 1952 und mit einer Lagerkapazität von mehr als 100 Millionen Litern. Öffentliche Kellerführungen dauern dort rund zwei Stunden und finden in der Saison zwischen Mai und Oktober statt. Wer die Runde in Breisach beendet, kann die Zeit bis zum nächsten Zug also sinnvoll füllen. In Endingen am anderen Ende der Route organisiert die Stadt eigene Weinerlebnisse in den Reben.
Eine größere Gruppe sollte die Weinprobe Kaiserstuhl-Winzern vorab ankündigen, damit genug Platz im Probierraum bleibt. Daneben gibt es Weinbergsrundfahrten mit Traktor, Planwagen oder Unimog. Einzelne Weingüter und örtliche Tourist-Informationen organisieren sie, meist in der warmen Jahreshälfte von April bis Oktober und mit mehreren Weinen unterwegs. Dauer, Preise und Termine unterscheiden sich je nach Anbieter und Saison, ein Blick auf die Seiten der jeweiligen Gemeinde hilft weiter.
Stationen und Sehenswürdigkeiten rund um die Route
Die folgende Übersicht fasst Orte zusammen, die sich entlang der Runde oder mit einem kurzen Abstecher erreichen lassen. Welche Station man einplant, hängt vom Startpunkt und der gewählten Variante ab.
| Ort | Was es dort gibt | Gut zu wissen |
|---|---|---|
| Breisach | St. Stephansmünster auf dem Münsterberg, erbaut im 12. bis 15. Jahrhundert | Wandbild „Das Jüngste Gericht“ von Martin Schongauer |
| Breisach | Badischer Winzerkeller, gegründet 1952 | Lagerkapazität für mehr als 100 Millionen Liter, Kellerführungen von etwa zwei Stunden in der Saison |
| Burkheim (Vogtsburg) | Denkmalgeschützte Altstadt mit Fachwerkhäusern, Rathaus und Stadttor | Schlossruine, 1572 im Renaissancestil neu aufgebaut und rund 100 Jahre später zerstört |
| Achkarren (Vogtsburg) | Kaiserstühler Weinbaumuseum in der ehemaligen Zehntscheuer | Geöffnet von Palmsonntag bis Allerheiligen |
| Bickensohl (Vogtsburg) | Lösshohlwege-Pfad | Rundweg von etwa 7 Kilometern |
| Badberg | Naturschutzgebiet mit Trocken- und Halbtrockenrasen | 65 Hektar zwischen Alt-Vogtsburg, Oberbergen und Schelingen |
| Totenkopf | Höchster Punkt des Kaiserstuhls | 556,8 Meter, Aussichtsturm Neunlinden |
| Endingen | Endpunkt der S11 mit Betriebswerk der Kaiserstuhlbahn | Die Stadt organisiert eigene Weinerlebnisse in den Reben |
Das Weinbaumuseum in Achkarren zeigt Geräte aus dem Weinbau, Etiketten, Dokumente und geologische Proben. Damit ist es eine gute Ergänzung zur Tour, weil es erklärt, was man zuvor vom Sattel aus gesehen hat. In Burkheim lohnt ein Spaziergang durch die Altstadt. Die Burg dort ging 1560 an Lazarus von Schwendi und wurde nach ihrer Zerstörung durch französische Truppen nie wieder aufgebaut.
Anreise ab Freiburg mit S-Bahn und Rad
Zwei S-Bahn-Linien bringen Radfahrer direkt an die Route. Die S1 fährt über die Breisacher Bahn vom Freiburger Hauptbahnhof über Gottenheim und Ihringen nach Breisach. Die S11 verbindet Freiburg über Gottenheim mit Endingen am Kaiserstuhl. Die Breisacher Bahn ist seit Februar 2020 durchgehend elektrifiziert, auf der Kaiserstuhlbahn wurde die Oberleitung am 8. Juli 2019 eingeschaltet. Die Kaiserstuhlbahn ist insgesamt 37,6 Kilometer lang und hat in Riegel-Malterdingen Anschluss an die Rheintalbahn.
Für die Fahrradmitnahme gelten die Regeln des Regio-Verkehrsverbunds Freiburg (RVF). Auf allen regionalen S-Bahn-Linien und auf der Rheintalbahn ist das Rad kostenlos, sofern Platz ist. Ausnahme sind Werktage zwischen 6 und 9 Uhr: Dann braucht das Rad ein RVF-Ticket. In Schienenersatzbussen ist die Mitnahme nicht möglich, ebenso wenig in den Freiburger Straßenbahnen und Stadtbussen. Wer also vom Stadtteil aus zum Hauptbahnhof will, sollte dorthin radeln. Ein flacher Kaiserstuhl Radweg nützt wenig, wenn der Morgen schon mit der Suche nach einem Zug mit freiem Radplatz beginnt; wer außerhalb der Stoßzeit fährt, hat es entspannter.
Allgemeine Informationen zur Stadt, zu Übernachtungen und zur Tourist-Information stehen auf der Seite zum Tourismus in Freiburg. Weitere Ideen für einen Tag rund um die Stadt sammelt die Startseite von Freiburg Aktiv.
Praktisches für die Tour
Schatten ist knapp. Auf den offenen Lössterrassen steht die Sonne am Nachmittag voll auf dem Weg, genug zu trinken gehört deshalb ins Gepäck. Wer den Kaiserstuhl Radweg an einem Tag fahren möchte, plant mit viereinhalb Stunden reiner Fahrzeit und legt zwei längere Pausen ein, etwa in Ihringen und in Breisach. Für Radtouren am Kaiserstuhl über mehrere Tage bieten sich die Winzerorte als Etappenziele an, weil mehrere von ihnen direkt an der S-Bahn liegen.
Mit dem E-Bike ist auch die Kombination aus Außenrunde und einer Querung über den Texaspass gut machbar, der Pass liegt auf 385 Metern. Akkus sollten dann voll sein, denn wer zweimal über den Vulkan fährt, sammelt schnell mehr Höhenmeter als auf der gesamten Außenrunde. Für die Rückfahrt empfiehlt sich der Blick auf den Fahrplan: Von Breisach fährt die S1, von Endingen die S11 direkt zum Freiburger Hauptbahnhof, außerhalb der Stoßzeit mit Rad ohne Aufpreis.