Seit 2008 vermarktet sich die Stadt unter dem Namen Green City Freiburg, und kaum ein Ort zeigt so deutlich, was dahinter steckt, wie das Quartier Freiburg Vauban im Süden der Stadt. Auf einem ehemaligen Kasernengelände entstand dort ab den 1990er Jahren ein Stadtteil mit wenigen Autos, vielen Baugruppen und strengen Energiestandards. Gleich daneben steht die Solarsiedlung von Rolf Disch, deren Dächer mehr Strom erzeugen, als die Häuser verbrauchen.
Vauban ist aber nur ein Teil des Bildes. Zur Green City Freiburg gehören auch das Rieselfeld im Westen, eine als emissionsfrei beschriebene Solar-Fabrik, ein Rathaus, das seinen Energiebedarf selbst deckt, und eine fast komplett neu gestaltete Universitätsbibliothek. Wer beim Thema Architektur Freiburg vor allem mit dem Münster verbindet, findet in diesen Vierteln eine ganz andere Stadt.
Vauban: vom Kasernengelände zum autoarmen Stadtteil
Das Gelände war ursprünglich die Schlageter-Kaserne der Wehrmacht, gebaut ab 1937. Nach dem Krieg nutzten es die französischen Streitkräfte und benannten es nach dem Festungsbaumeister Sébastien Le Prestre de Vauban. Als die französischen Truppen Anfang der 1990er Jahre abzogen, die Quellen nennen 1991 oder 1992, stand eine große Fläche am Stadtrand zur Verfügung. Der Name hat in Freiburg eine lange Vorgeschichte: Vauban hatte 1677 bis 1679 die Festung auf dem Schlossberg ausgebaut, die französische Truppen 1744/45 sprengten. Heute erinnert in der Stadt vor allem der Stadtteil an ihn. 1994 gründete sich die Bürgerinitiative Forum Vauban, die die Planung des neuen Viertels von Beginn an begleitete.
Heute umfasst der Stadtteil rund 41 Hektar und grenzt an die Gemeinde Merzhausen. Ende 2022 lebten etwa 5.200 Menschen in Freiburg Vauban, rund ein Drittel davon unter 18 Jahren.
Wie das autoreduzierte Konzept funktioniert
Der bekannteste Baustein ist der Umgang mit dem Auto. Haushalte, die ein Fahrzeug besitzen, müssen einen Stellplatz in einer Sammelgarage am Rand des Quartiers erwerben. Das hält die Wohnstraßen weitgehend frei von parkenden Fahrzeugen. Seit April 2006 fährt die Straßenbahnlinie 4 mit drei Haltestellen durch das Viertel, darunter Paula-Modersohn-Platz. Wer nach Freiburg Vauban kommt, nimmt deshalb am einfachsten die Straßenbahn. Mehr zu Linien und Tickets steht auf der Seite zur Straßenbahn in Freiburg.
Gebaut wurde in Vauban nach einem klaren Energiestandard. Alle Gebäude erfüllen mindestens den Freiburger Niedrigenergiestandard, und im Quartier steht das erste Mehrfamilien-Passivhaus Deutschlands. Viele Häuser haben keine klassischen Bauträger, sondern Baugruppen errichtet, also private Zusammenschlüsse künftiger Bewohner.
Solare Bauten von Rolf Disch: Solarsiedlung, Sonnenschiff und Heliotrop
Direkt neben Vauban, am Schlierberg, liegt die Solarsiedlung des Freiburger Architekten Rolf Disch. Zwischen 2000 und 2005 entstanden dort 59 Plusenergiehäuser, die über das Jahr mehr Energie erzeugen, als ihre Bewohner verbrauchen. Die Zahl schwankt je nach Quelle; manche Darstellungen sprechen von rund 100 Plusenergiehäusern im Umfeld, der eigene Eintrag zur Siedlung nennt 59. Die Siedlung wurde unter anderem als Haus des Jahres 2002 ausgezeichnet.
Innerhalb der Siedlung steht das Sonnenschiff. Das Gewerbe- und Bürogebäude wurde 2004 fertiggestellt und gilt als erstes Gewerbegebäude im Plusenergiestandard. Nach Angaben des Architekten erzeugt es etwa viermal so viel Energie, wie es verbraucht.
Ein paar Jahre älter ist das Heliotrop, das Wohnhaus von Rolf Disch aus dem Jahr 1994. Der zylindrische Bau dreht sich mit dem Lauf der Sonne. Disch bezeichnet ihn als das weltweit erste Gebäude, das mehr Energie erzeugt, als es verbraucht. Ob das Heliotrop tatsächlich das erste seiner Art war, lässt sich nicht unabhängig belegen; als Wahrzeichen solarer Architektur gilt es dennoch.
Rieselfeld: der zweite neue Stadtteil
Während Vauban aus einer Kaserne hervorging, entstand das Rieselfeld auf den ehemaligen Rieselfeldern der Stadt. Seit 1891 wurden hier die Abwässer Freiburgs verrieselt, 1985 wurde die Kläranlage stillgelegt. Die Erschließung begann 1993, die ersten Häuser folgten 1994, die ersten Bewohner zogen 1996 ein. Auf rund 78 Hektar lebten Ende 2024 etwa 9.200 Menschen, deutlich mehr als in Vauban.
Auch hier gilt durchgehend ein Niedrigenergiestandard. Die Straßenbahnlinie 5 fährt seit 1997 ins Rieselfeld. In die Innenstadt sind es 15 bis 20 Minuten. Im Westen grenzt der Stadtteil an das Naturschutzgebiet Freiburger Rieselfeld, sodass die Bebauung unmittelbar an offene Landschaft stößt. Ein Vergleich zwischen Freiburg Vauban und dem Rieselfeld zeigt zwei Wege zum selben Ziel: das eine Viertel auf einer früheren Kaserne und stark von einer Bürgerinitiative geprägt, das andere auf ehemaligen Abwasserflächen und fast doppelt so groß.
Neue Architektur in Freiburg: Solar-Fabrik, Rathaus und Universitätsbibliothek
Die Solar-Fabrik an der Munzinger Straße wurde am 14. Mai 1999 eingeweiht und als erste emissionsfreie Fabrik Europas beschrieben. Charakteristisch ist die fast zehn Meter hohe, schräg gestellte Glasfassade nach Süden. Auf dem Dach sitzt Photovoltaik, dazu kommt ein Blockheizkraftwerk, das mit Rapsöl läuft. Entworfen haben den Bau die Architekten Rolf + Hotz zusammen mit Amann-Burdenski-Harter. Heute trägt das Gelände den Namen SolarCampus.
Deutlich größer ist das Rathaus im Stühlinger, das im November 2017 fertiggestellt wurde. Auf 24.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche arbeiten dort mehr als 800 Beschäftigte. Photovoltaik an Fassade und Dach mit 660 Kilowatt Peak liefert rund 558 Megawattstunden im Jahr, ergänzt durch hybride PVT-Kollektoren und Geothermie aus dem Grundwasser. Die Stadt spricht gern von einem Plusenergiegebäude. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE kam in seiner Auswertung von 2019 zu einem nüchterneren, aber immer noch bemerkenswerten Ergebnis: Europas größtes Netto-Nullenergiegebäude.
Der Unterschied ist mehr als Wortklauberei. Ein Plusenergiegebäude erzeugt über das Jahr mehr Energie, als es verbraucht, ein Netto-Nullenergiegebäude gleicht Erzeugung und Verbrauch in der Jahresbilanz aus. Für einen Verwaltungsbau mit mehreren Hundert Arbeitsplätzen ist auch das ein ungewöhnlicher Wert, zumal Fraunhofer ihn nicht aus Planungsdaten, sondern aus der gemessenen Bilanz ableitet.
Die Universitätsbibliothek ist ein Beispiel dafür, wie Freiburg mit älterer Bausubstanz umgeht. Das Gebäude von 1978 wurde zwischen 2008 und 2015 nach Plänen von Degelo Architekten aus Basel fast vollständig umgebaut, für rund 53 Millionen Euro. Am 21. Juli 2015 öffnete der Neubau mit mehr als 1.700 Arbeitsplätzen, Anfang 2016 zählte die Bibliothek bereits mehr als 12.000 Besucher am Tag. Wer aus Interesse an Architektur Freiburg besucht, sollte sie einplanen, weil sie zeigt, dass die Stadt ein Bestandsgebäude lieber grundlegend umbaut als abreißt.
Klimaziel und Hintergrund der Green City Freiburg
Die Energiebauten sind Teil einer längeren politischen Linie. Aktuell verfolgt die Stadt das Ziel, bis 2035 klimaneutral zu sein. Frühere Ziele waren bescheidener: 2014 lautete die Vorgabe, die Emissionen bis 2030 zu halbieren und bis 2050 auf null zu senken, bezogen auf das Basisjahr 1992. 2019 wurde das Zwischenziel auf minus 60 Prozent bis 2030 verschärft. Das Jahr 2035 folgt den Klimazielen, die Bund und Land 2021 festgelegt haben.
Die Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe (FWTM) betreut außerdem den Green City Cluster, ein Netzwerk von Unternehmen aus der Umweltbranche. Für die Architektur Freiburgs bedeutet das politische Ziel vor allem eines: Neubauten der Stadt wie das Rathaus im Stühlinger werden daran gemessen, wie viel Energie sie selbst erzeugen. Dass die solare Stromerzeugung dabei an erster Stelle steht, zeigen die Fassaden der Solar-Fabrik und des Rathauses gleichermaßen.
Wie viel Zeit ein Besuch braucht
Für einen ersten Eindruck reicht ein halber Tag in Vauban. Die meisten Bausteine, die das Viertel bekannt gemacht haben, liegen dicht beieinander: die Haltestellen der Linie 4, die Sammelgarage am Rand, die Häuser der Baugruppen und gleich nebenan Solarsiedlung, Sonnenschiff und Heliotrop. Einen ganzen Tag braucht, wer zusätzlich das Rieselfeld, das Rathaus im Stühlinger und die Solar-Fabrik sehen möchte, denn diese Orte liegen in ganz unterschiedlichen Teilen der Stadt.
Die Green City Freiburg interessiert dabei zwei sehr verschiedene Gruppen. Urlauber wollen meist sehen, wie sich der Alltag in einem Viertel mit wenigen Autos anfühlt und wie die Häuser aus der Nähe aussehen. Fachbesucher aus Stadtplanung, Energiewirtschaft oder Verwaltung fragen eher nach Standards, Messwerten und Planungsverfahren. Für sie sind die Auswertung des Fraunhofer ISE zum Rathaus oder die Rolle des Forum Vauban bei der Planung oft spannender als jede Fassade. Sie sollten vorab überlegen, zu welcher Gruppe Sie gehören, denn danach richtet sich, ob ein öffentlicher Rundgang genügt oder ob sich ein Fachprogramm bei einer der Partneragenturen lohnt.
Green City erleben: Führungen durch Vauban und die Solarsiedlung
Die Stadt arbeitet seit 2011 mit zertifizierten Green-City-Partneragenturen zusammen. Genannt werden Aiforia, Innovation Academy e.V., Freiburg Future Lab und OSM Maeda. Sie organisieren kostenpflichtige Führungen, Vorträge und Workshops, sowohl für Urlauber als auch für Fachgruppen. Auch Delegationen, die wegen Energie und Architektur Freiburg besuchen, wenden sich an diese Agenturen oder an das Green-City-Büro der Stadt; für Wirtschaftsdelegationen ist die FWTM zuständig.
Daneben gibt es öffentliche Rundgänge. Die Führung „Vauban: Green City“ von Kultour Entdecken ist über visit.freiburg.de buchbar und beginnt an der Haltestelle Paula-Modersohn-Platz. Auf dem Weg liegen die autofreien Bereiche, Blockheizkraftwerke, die Solarsiedlung, das Heliotrop und begrünte Dächer. Wer die Green City Freiburg zum ersten Mal besucht, bekommt auf diesem Rundgang in kurzer Zeit die wichtigsten Stationen von Freiburg Vauban erklärt, ohne selbst eine Route planen zu müssen. Termine und Preise stehen auf den Seiten der Veranstalter und wechseln mit der Saison. Einen Überblick über weitere Formate, von der Altstadtführung bis zur Nachtwächtertour, bietet die Seite zur Stadtführung in Freiburg.
Vauban, die Solarsiedlung und das Heliotrop liegen so nah beieinander, dass sich alle drei gut zu Fuß verbinden lassen. Für Solar-Fabrik und Rieselfeld ist das Rad oder die Straßenbahn die bessere Wahl.
Die Green City auf eigene Faust mit dem Rad
Die Entfernungen zwischen den Stationen sind für Fußgänger teils groß, für Radfahrer dagegen kurz. Freiburg hat ein dichtes Netz aus Radwegen, und mit Frelo gibt es seit dem 17. Mai 2019 ein Leihradsystem der VAG mit heute rund 100 Stationen und 1.200 Rädern in der Stadt. Neben normalen Rädern gibt es E-Frelos und elektrisch unterstützte Lastenräder, die bis zu 60 Kilogramm tragen; die Registrierung ist kostenlos. Seit März 2026 kommen 62 Stationen im Umland hinzu. Eine Runde vom Rathaus im Stühlinger über die Universitätsbibliothek nach Vauban und zurück übers Rieselfeld verbindet die wichtigsten Stationen der Green City Freiburg an einem Tag. Vauban eignet sich als letzte Station, weil dort am Ende genug Zeit für einen Spaziergang durch die Wohnstraßen und über die Solarsiedlung bleibt. Hinweise zu Routen, Leihrädern und dem Dreisam-Radweg sammelt die Seite zur Radtour durch Freiburg, weitere Ideen für Unternehmungen in der Stadt die Startseite.
Wer lieber mit der Straßenbahn anreist, steigt am Paula-Modersohn-Platz aus. Dort hält die Linie 4, und dort beginnt auch der öffentliche Rundgang durch Vauban, der mit Solarsiedlung, Heliotrop und begrünten Dächern die wichtigsten Stationen des Viertels an einem Vormittag abdeckt.